Be)anders 1.0: Erste Hilfe für die Seele! (Foto: Michael Schnabl)
Be)anders 1.0: Erste Hilfe für die Seele! (Foto: Michael Schnabl)

Lippenbekenntnisse, aber bitte ohne Botox!

von Be)ate Hollersbacher MSc.


Foto: Pixabay
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„Bitte nur einen Eiswürfel, zwei sind definitiv zu viel.“ Es geht los, das ewige hin und her, wer ist die schönste, beste, jüngste, intelligenteste Frau, ja und unendlich weiter so. Warum halten wir Frauen nicht einfach mehr zusammen und warum ist es für uns Frauen so wichtig, perfekt sein zu wollen? Ich besuchte, vor Corona, unzählige Veranstaltungen und jede dieser Veranstaltungen war auf ihre Weise anders, aber ich konnte dabei immer, ja wirklich immer, beobachten, wie Frauen sich krampfhaft bemühen, unauthentisch zu wirken. Was hält Frauen davon ab, sich einfach zu öffnen für wirklich schöne, offene, und vor allem ehrliche Gespräche? Stattdessen Smalltalk wie „Der Wein ist zu warm, der Champagner zu kühl und das Service zu langsam, das Wetter … Ich kann es nicht mehr hören, das belanglose bla bla stößt mir schon sauer auf, da hilft dann nur mehr kiloweise Basenpulver und täglich mit Urinstreifen den pH-Wert überprüfen.

Muss nicht sein!

Nehmen wir uns doch an, so wie wir sind, lassen wir den Lippenstift doch einfach mal zu Hause und gönnen wir unserer Eitelkeit immer wieder Pausen – das tut doch jeder Seele gut. Wenn jemand auf der Straße umfällt, ruft man die Rettung. Doch wenn jemand neben uns weint, apathisch oder verzweifelt wirkt, was dann? Was tun, wenn die Seele akut in Not ist? Was brauchen wir wirklich, um gut zu leben und glücklich zu werden? Unsere Seele sagt es uns: Wir brauchen Wurzeln und Flügel, Weite und Klarheit, gute Räume der Entfaltung und Orte der Stille, der Konzentration und Geborgenheit.

Was kann ich mir selbst Gutes tun?

Wenn mehr Zeit zur Verfügung steht, nutzen Sie sie. Gibt es etwas, das Sie schon immer tun wollten, was Ihnen Freude macht und Sie nie ausreichend dazu gekommen sind? Das kann für jeden etwas Anderes sein, z. B. längere Körperpflege (Gesichtsmaske, Bad etc.), Fitnesseinheiten in der Wohnung, Musik hören, Lesen oder auch im eigenen Garten (falls vorhanden) sich die Zeit zu vertreiben. Alles, was Sie gerne tun, was Sie ruhig macht, was Sie „erdet“ ist gut. Je nach Situation und Wunsch, machen Sie es alleine oder zu Zweit oder tauschen Sie sich mit Freunden darüber aus. Es soll Ihnen das Gefühl vermitteln, dass diese aufgezwungene Zeit auch gute Seiten hat. Das macht ruhiger und entspannter. Das ruhige Sitzen zu Hause führt auch dazu, dass man seinen Bewegungsdrang nicht ausleben kann. Daraus entsteht innere Unruhe, der man durch Übungen zu Hause, aber besonders durch längere Spaziergänge, begegnen kann. Ob Sie gerne mit dem Rad fahren, laufen, oder zu Hause Yoga, Gymnastik, Tanzen oder ähnliches machen, ist nicht so wichtig. Es soll Ihnen Spaß machen und Sie sollen sich dabei wohl fühlen. Für Sie selbst ist es wichtig, sich Ihrer eigenen Gefühle bewusst zu werden. Gerade in einer Zeit mit mehr Ruhe werden diese oft spürbarer. Manche von uns sind das nicht gewohnt, da im Alltag zu wenig Zeit dafür ist, oder wir uns zu wenig dafür nehmen. Grundsätzlich ist es gut, sich mit seinen Gefühlen auseinander zu setzen und diese zuzulassen, ihnen Raum zu geben. Es ist aber nicht immer angenehm und einfach. Nutzen Sie ihre freie Zeit, dem nachzuspüren und darüber nachzudenken. Tun Sie aber nicht nur das, sondern reden Sie mit anderen, denen Sie vertrauen, darüber. Die Korrektur durch das Gespräch mit anderen wird verhindern, dass Sie sich verrennen und in Themen festbeißen. Manchmal tauchen auch alte Problemstellungen auf, werden akute Probleme stärker oder auch im Familienverband jetzt akut.

Was geht sofort?

Ein Spaziergang, Lieblingsmusik hören, den gewohnten Sport treiben – was man so macht, eignet sich auch gut als Krisennothilfe Nummer eins. Ist man zurück oder die CD beendet, sieht die Welt vielleicht ein bisschen anders aus. In der ersten Zeit nach dem auslösenden Moment gehe es erst einmal darum, sich selbst über Wasser zu halten, normal wie bisher zu essen und zu schlafen. Wer schon eine Technik hat, sich selbst zu beruhigen, hat es leichter. Aber man kann sich auch in angespannten Situationen einfache Atem- und Meditationsübungen aneignen, die von Anfang an wirken.
Nehmen Sie sich öfters nach bei Tisch und gehen einfach mal wieder ungeschminkt außer Haus und zeigen Sie ihr wahres Gesicht, ob es anderen gefällt oder nicht, ist nicht ihr Thema.
Hinterlassen wir unseren eigenen Fingerabdruck!