Be)anders: Manche Tage sind einfach sehr chancenreich!

„Nachgewiesen“,

das blinkte auf meinem Handydisplay auf … Mit roter Schrift, sodass es gleich richtig ins Auge fiel. Gut, nun hat Corona auch mich gefunden und erwischt und das obwohl ich mich sehr lange gut versteckt habe, dachte ich mir. So lag ich nun da in meinem kuscheligen Pyjama, mit dicken Socken und vor allem mit einem genervten Blick in meinem Bett und musste mich nun auch persönlich mit diesem Virus auseinandersetzen, ob ich wollte oder nicht.

Eigentlich hatte ich für die kommenden Tage andere Pläne, wirklich gute noch dazu. Die Sonnenstrahlen fielen von meinem Dachgeschoßfenster in Richtung meines Betts herein. Sonnenstrahlen, die mir normalerweise sofort auffallen, bekamen jetzt auf einmal eine ganz andere Bedeutung. Im Nachhinein betrachtet würde ich sie bewusster wahrnehmen und mehr schätzen, aber damals konnte ich es nicht, sie waren einfach „nur im Raum“.

 

Ich blickte auf die Uhr und normalerweise bin ich zu dieser Zeit im Auto, das Radio spielte meine Lieblingssongs und ich freue mich auf den neuen Arbeitstag. Das Wetter war auch jetzt traumhaft schön, viele Vögel zwitscherten schon und ich hörte aber auch den Lärm des Frühverkehr. Planlos lag ich in meinem Bett und bemerkte, wie meine Stimmung langsam zu kippen schien. Die Lust auf Kaffee schien noch im Tiefschlaf zu verweilen. Meine Nase lief und Rückenschmerzen besuchten mich, als kämen sie zum Frühstück. Ich will nicht unhöflich sein, aber liebes Corona-Virus, am liebsten würde ich dich sofort beurlauben!

 

Naja, ich könnte (es war aber nicht mal ansatzweise daran zu denken, geschweige es körperlich auszuführen ) mich jetzt auf den Kopf stellen, ändern würde sich an der Situation nichts. „Nimm es an, so wie es gerade ist liebe Beate“, hörte ich meine innere Stimme. Diese innere Stimme ignorierte ich voll und ging kurze Zeit in Widerstand, obwohl ich wusste, dass sich mit dieser Ablehnungshaltung mein negativer Zustand sich noch verstärken würde.

 

Es brauchte ganze zwei Tage bis ich mich beruhigen konnte. Noch nie habe ich so lange und intensiv in meinen eigenen vier Wänden verbracht und dabei die Natur betrachtet. Ich beobachtete die Vögel beim Fliegen, den Wind, der mit voller Kraft die Blätter küsste (Frühlingshaft schön halt).

Und so genoss ich eigentlich jeden Morgen und bemerkte, wie meine innere Stimme wieder lauter wurde. Ich spürte meinen Körper von Kopf bis Fuß sogar bis in den Zehenspitzen. Ich fing an, einen Monolog mit meinem Körper zu führen und war so stolz auf ihn, wie er die Situation meistert, ohne sich zu beschweren. Er funktionierte einfach und mir wurde klar, dass er ein Wunder ist. An diesem Tag ging es mir nicht so berauschend gut und ich telefonierte mit einer ganz lieben Bekannten, sie sagte folgenden Satz, der mir sehr zu denken gab, „Gib dir und deinem Körper die Zeit, die er gerade braucht.“ Dieser Satz half mir. Dieser Satz war genau richtig, um zu erkennen, dass es eine Chance für mich ist, einfach Ruhe zu geben, Gedanken zu ordnen, nachzudenken über das Leben, Wünsche ins Universum zu schicken, Situationen einzuordnen und mein innerliches Navigationssystem zu aktualisieren. Es waren gefühlt sehr lange Tage, die mir aufgezeigt haben, dass man manchmal eben ans Bett gezwungen wird, um Themen sichtbarer an die Oberfläche kommen zu lassen, die eben nicht untergehen, sondern auftauchen, wenn es fällig ist. Das ganze Leben ist Veränderung.

Eine Veränderung bemerkte ich auch, als ich herzhaft einen Biss von einem Butterbrot mit Schnittlauch nahm. Den Geschmack von Schnittlauch hatte ich ganz anders in Erinnerung. Ich unterhielt mich erst vor kurzem mit meiner Kollegin über fein essen gehen und über schicke Lokale. Damals hatte ich meinen Geschmacksinn noch und schätzte ihn zu wenig. Heute habe ich ihn wieder und er ist mir noch nie so wichtig wie jetzt. Jeder einzelne Biss von Gerichten und Lebensmitteln wird in Zukunft genossen und geschätzt, versprochen.
Jeder Tag meiner Erkrankung war anders, jedoch es waren ganz besondere Tage. Es war eine persönliche Reise, eine Reise zu mir selbst mit neuen Erfahrungen, Hoffnungen und einem Neustart. Welche Emotionen Corona in uns auslösen mag, es sind unsere Themen, ob wir sie wahrhaben wollen oder nicht.



Foto: Wolfgang Gangl